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Leseprobe

Das etwas andere
               Miezenbuch

NEUERSCHEINUNG

Mein Name ist Floh ...

Ich bin der jüngste Sprößling einer langen Dynastie von mehr als vierzig Katzen, die mein Autor in den letzten sechzehn Jahren in Deutschland und Italien aufgenommen, großgezogen, betreut und vor allem ... unendlich liebgewonnen hat!                          
Als ich am 20. Mai 2004 um zehn Uhr zweiundfünfzig - nach zwei Mädels - in München das Licht der Welt erblickte, strahlte die Sonne vom weißblau getupften bayerischen Himmel herab und lachte über das ganze Gesicht. Es war ein Feiertag, genauer gesagt, es war Christi Himmelfahrt. Und wer sich im Kalender gut auskennt, weiß natürlich sofort, das konnte ja nur »Vatertag« gewesen sein.
Richtig! Draußen vor dem Fenster zogen die ersten in Lederhosen gehüllten Väter vorbei, um sich, einer alten bayerischen Tradition folgend, wie die Zugvögel in den umliegenden Biergärten und Wirtshäusern zu versammeln, Ein Freudentag also für die so herzerfrischende bajuwarische Seele.
Unser vermeintlicher »Papa«, der normalerweise bei solch kirchlich genehmigten und kulturell verstretbaren »Freß- und Trinkgelagen« gern mit von der Partie ist, war diesmal nicht dabei. Er kauerte vielmehr vor unserem Körbchen, streichelte mit einer Hand die »Mamakatze«, mit der andern uns drei winzige Knäuel. Seine Frau Hilde (...ach, ich liebe sie) versorgte ihn derweilen eifrig mit einem flüssigen Nahrungsmittel aus Hopfen und Malz, auf daß er, wie sie betonte, an diesem besonderen Tag »nicht vom Fleische falle«.    
Seither sind viele Monate ins Land gezogen, bis er eines Tages meinte, ich wäre genau der richtige Partner, um seine zahlreichen Katzengesschichten, die er in Deutschland und Italien ständig erlebt, unters Volk zu bringen. Ich war Feuer und Flamme für diese Idee und ließ den umgehend eingeleiteten Sprachkurs »Menschen verstehen und begreifen« willig über mich ergehen. Einfach war das freilich nicht, nachdem mir lediglich die Buchstaben m, i, a, u, h geläufig waren. Daß ich gleichzeitig im »Telecolleg III« des bayerischen Fernsehens Italienisch belegen mußte, kam erschwerend hinzu. Aber schon bald hatte ich, wie mir mein »collega« bestätigte, ein ausgesprochen freches Mundwerk, eine große Klappe, »a große Gosch'n« (das ist bayerisch) oder »una lingua sciolta«, wie die Italiener so einen verbalen Angeber nenen. Obwohl mein Italienisch noch etwas unausgegoren war, bestand er darauf, daß ich ihn zukünftig mit seinem italienischen Kosenamen »Rinaldo« anspreche, der von seinen südländischen Freunden gerne noch mit »il professore« ergänzt wird. Das bezieht sich auf seine unglaublichen Fähigkeiten, mit geringstem Wortschatz, einer nicht nachvollziehbaren Grammatik und bayerischem Akzent an jeder Stammtischdiskussion in seiner Trattoria teilzunehmen.                                
Zurück zu uns Katzen. Unsere Großfamilie umfaßt im Moment sechzehn Mitglieder.

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